Hallo, seid gegrüßt und danke das Ihr Euch Zeit nehmt, uns ein paar Fragen zu beantworten.
Schweifen wir doch zuvor in die Vergangenheit, wie begann alles und wie entstand "Diorama"?
DIORAMA entstand, so zumindest habe ich es in Erinnerung, an einem grauen verregneten Herbsttag, an dem ich durch die Reutlinger Innenstadt lief und auf einmal die Melodie von LEAVING HOLLYWOOD in den Kopf bekam. Ich muss damals 16 Jahre gewesen sein. Als die Melodie ein paar Stunden später aus dem Atari dudelte, den man uns im Hinterzimmer eines Jugendhauses zur Verfügung gestellt hatte, als Komposition und Text Gestalt anzunehmen begannen, war ich überzeugt davon, einen Welthit erschaffen zu haben. Es kamen weitere Songs dazu und mit ADRIAN HATES von ACCESSION RECORDS habe ich schließlich einen Unterstützer und Freund gewonnen, der an die ganze Sache geglaubt und meiner Arbeit eine Chance gegeben hat.
Und für den Fall das Euch da draußen noch jemand nicht kennt, stellt Euch doch kurz mal vor.
DIORAMA besteht aus Sash Fiddler (Gitarre), Felix Marc (Keyboards), Marquess (Schlagzeug) und mir selbst (der Rest).
Euer aktuelles Album "cubed" steht in den Startlöchern (Veröffentlichung 19.03.2010), wie unterscheidet es sich von den vorherigen?
Ich betrachte CUBED - eingebettet in unsere musikalische Entwicklung – einfach als nächsten Schritt, nächstes Kapitel. Von einigen habe ich das Feedback bekommen, dass sie Parallelen zu früheren Synthpop-lastigeren Veröffentlichungen sehen. Um das beurteilen oder weitere stilistische Vergleiche zwischen den Alben ziehen zu können, fehlt mir die Objektivität, aber auch die Motivation. Entscheidend ist, dass die Musik den Verlauf des sonstigen Lebens reflektiert. Neue Einflüsse kommen auf, alte verlieren ihren Reiz, man holt verstaubte Ideen aus Kopfschubladen, lässt sie aufleben und legt sie zurück, oder lenkt seine Aufmerksamkeit auf ganz neue Themen. Die eigene Person entwickelt sich weiter, ein Teil wird alt und friedlich, ein Teil bleibt jung und ungestüm, man hat immer weniger Zeit und immer mehr Verpflichtungen. Und so weiter. Und so weiter. Die Wechselwirkung von Musik und ich nenne es mal Alltag ist deswegen so wichtig, weil Musik einem hilft, sich selbst treu zu bleiben, während man ansonsten von allen Seiten in vorgefertigte Stereotypen gedrängt wird.
Was könnt ihr uns über den Titeltrack "cubed" verraten?
Er veranschaulicht die Idee, dass jeder als Lebensraum einen eigenen Würfel mitbekommt, den er nach Belieben nutzen, bestücken und verändern, jedoch nie verlassen kann.
Zuvor habt ihr bereits den Song "Child Of Entertainment" als Single ausgekoppelt, warum habt ihr Euch für diesen entschieden?
Zum einen ist mir der Song wichtig, da er viel von meinem Lebensgefühl als Künstler, aber auch Karrieremensch im Hamsterrad während der letzten 3 Jahre auf den Punkt bringt. Je älter ich werde, desto mehr erscheint mir das Leben als absurder Treppenwitz. Es geht darum, ein Gegenmittel gegen das Abdriften in Bedeutungslosigkeit und Gewöhnlichkeit zu suchen, es nicht zuzulassen, dass sich die vernünftig erscheinenden aber eigentlich leeren Werte im eigenen CUBE breitmachen, und natürlich um das Scheitern an dieser Aufgabe. Zum anderen halte ich den Song für einen der stärksten und eingängigsten des Albums. Ein wichtiges Element in unserer Arbeit ist die Vereinigung von Melancholie und Leichtigkeit, von Tragik und Komik. Bei CHILD OF ENTERTAINMENT kommt diese Kombination in besonderem Maße zur Geltung, darauf haben wir bei der Auswahl der Single Wert gelegt.
Begleitend zu eurer neuen CD gibt es ja auch eine Tour zusammen mit "In Strict Confidence". Mich interessiert nun, was uns für die Tournee so erwartet?
Wir werden recht viel neues Material spielen und wieder mit unseren berühmt berüchtigten 2x2x2 Meter Cubes anrücken. Ich denke, gerade die Kombination mit IN STRICT CONFIDENCE wird insgesamt für ein abwechslungsreiches Programm sorgen. Wie es dann genau wird, also welche Atmosphäre und Energie entstehen wird, ist nicht vorhersehbar. Wir freuen uns auf jeden Fall, endlich wieder eine Latte an Konzerten in Deutschland zu haben. Dafür haben wir hart gearbeitet.
Was mögt ihr am meisten wenn ihr auf Tour seid und was nicht so?
Für mich das Beste ist die äußere und innere Entfernung vom sonstigen Leben, also der Kern des ganzen, das „unterwegs sein“. Auf Tour gelten andere Gesetze, überhaupt sehr wenige und größtenteils angenehme. Ein Problem ist, dass wir uns meistens schon in den ersten zwei Tagen so abschießen, dass wir den Rest der Tour hauptsächlich der eigenen Gesundheit hinterher hecheln. Was mir auch nicht ganz so liegt, ist die dauerhafte Präsenz vieler Menschen, d.h. es gibt wenig Rückzugsmöglichkeiten.
Wo spielt ihr lieber, in Deutschland oder im Ausland?
Das kann ich nicht gegeneinanderstellen, zumal das Ausland ja keine homogene Masse ist. Aus meiner Sicht hat jedes Land, jeder Kulturkreis seine Besonderheiten, Tücken und Vorzüge, die es interessant und spannend machen, dort aufzutreten; oft ist es bereits von Stadt zu Stadt ganz verschieden. Da bildet Deutschland keine Ausnahme.
Gibt es lustige Geschichte, was Euch während einer Tour mal passiert ist, zu erzählen?
Sorry, da gibt es einfach viel zu viele Stories, von denen die meisten aufgrund Tourkodex nicht einmal erzählt werden dürften.
Vielen Dank für das Interview und eure Zeit! Viel Spaß und viel Erfolg auf der Tour und natürlich auch mit der kommenden Veröffentlichung "cubed". Habt ihr noch ein paar abschließende Worte für die Fans da draußen?